von E. Pnischeck
Bürgermeister von Lorch am Rhein.
Die nachstehenden Ausführungen des Bürgermeisters Pnischeck in Lorch behandeln
in meisterhafter Form die Bildung und die Entwicklungsgeschichte des
"Flaschenhalses". Für die Mehrzahl unserer Leser werden diese Auslassungen eine
Sensation bedeuten. Nur wenige dürften wissen, daß zwischen den Sektoren Koblenz und
Mainz ein Landstrich liegt, nämlich der Flaschenhals, der monatelang sowohl vom besetzten
Gebiet als auch vom Eisenbahnverkehr abgeschnitten war. Bürgermeister Pnischeck, der als
einer der tüchtigsten Verwaltungsbeamten der Provinz gilt, hat diesen Freistaat
organisiert und darüber hinaus sich unvergängliche Verdienste um seine schöne Stadt und
das Land erworben, das zum Flaschenhals zählte. Diese Verdienste des hervorragenden
Beamten und prachtvollen Menschen Pnischek gehören der Geschichte an. Darüber hinaus
sollen die nachstehenden Ausführungen Geschehnisse der Vergessenheit entreißen, die
einzigartig in der Geschichte der Gegenwart sind.
November 1918: der ermatteten deutschen Hand war das Schwert entfallen - der
Weltkrieg war zu Ende.
Lähmendes Entsetzen verursachten die Waffenstillstandsbedingungen unserer Feinde;
namentlich die rheinischen Lande, welche von den alliierten Truppen besetzt werden
sollten, befürchteten - mit Recht - schlechte Jahre. Bekanntlich wurde das gesamte linke
Rheinufer besetzt, es wurden aber auch darüber hinaus auf dem rechten Rheinufer die
Brückenköpfe Köln, Koblenz und Mainz geschaffen: die Feindesmächte setzten in diesen
drei Städten den Zirkel an und schlugen einen Radius von 30 Kilometern. Was in diesem
Radius lag, das war besetztes Gebiet. So wurden mit rauher Hand lebensnotwendige uralte
Verwaltungs- und Wirtschaftseinheiten zerrissen, und es entstanden geradezu groteske
Gebilde.
Chronologische Geschichtsbeschreibung des "Freistaat" Flaschenhals