Angewandter "Götz".
Eine heitere Episode aus diesen Tagen, die den Humor beweist, mit dem man hier all
das Schwere ertrug, darf nicht vergessen werden. Wieder einmal spielten die Scheinwerfer
der Franzosen vom linken Rheinufer herüber in den Flaschenhals. Standen da irgendwo eine
Reihe deutscher Buben, die daraufhin sich an die Kante der Ufermauer setzten und den
Franzosen unter Entblößung ihrer Sitzfläche in der Sprache Götz von Berlichingens ihre
Auffassung hinüber "scheinwerferten", wofür sie nun auch noch kostenlos
"bestrahlt" wurden.
Bei dem Einmarsch der Franzosen im Dezember 1918 entstand der Freistaat
Flaschenhals. Bis Ende August 1919 war er von jeglichem Verkehr abgeschlossen. Kein Zug
(weder Personen- noch Güterzug) durfte hier anhalten, keine Schiffe und keine Nachen
durften hier anlegen und die Landstraßen waren sämtlich abgesperrt; ungeheuer war der
wirtschaftliche Schaden, den wir auf diese Weise erlitten haben. Erst Ende September 1919
konnte in bescheidenem Maß der Personenverkehr mit dem besetzten Gebiet aufgenommen
werden. Der war aber fast nur Theorie, denn die Grenzüberschreitungspässe waren immer
noch notwendig, um ins besetzte Gebiet zu gelangen, und die wurden nur sehr spärlich von
den Besatzungsbehörden erteilt. Erst mehrere Wochen später konnte der Güterverkehr
ungehemmt aufgenommen werden.
Freistaat Flaschenhals
Loreley-Online, Stand: 25.09.2001, Dipl. Ing. (FH) Rudolf Reckenthäler