Beinahe besetztes Gebiet.
Wie wir noch erfahren, hat man leider auch anfangs mit Unterstützung deutscher
Stellen verschiedentlich versucht, den Flaschenhals dem besetzten Gebiet einzuverleiben.
Schon bei den Waffenstillstandsverhandlungen setzten diese Versuche ein. Sobald man im
Freistaat Flaschenhalt aber diese Absicht merkte, hat man sich mit aller Entschiedenheit
zur Wehr gesetzt. Man hat die deutsche Waffenstillstands-Kommission um Hilfe angerufen,
und schon war vom Staatssekretär Erzberger am 8. Januar 1919 ein Telegramm eingelaufen,
worin der Befürchtung Ausdruck verliehen wurde, daß die Besetzung bereits vom Feind
beschlossene Sache sei. Darauf erfolgte erneuter Protest, und schließlich kam am
10.1.1919 mit Freude begrüßt ein Telegramm des Generals von Winterfeld, des deutschen
Delegierten bei der Waffenstillstands-Kommission, in dem er mitteilte, daß deutscherseits
die Besetzung des Flaschenhalses abgelehnt sei. Nachdem also bei der
Waffenstillstands-Kommission nichts zu erreichen war, übten die Besatzungsmächte auf die
amtlichen Stellen des besetzten Gebietes einen so starken Druck aus, daß diese unsere
Besetzung forderten; denn das geschah in bester Absicht, man glaubte nicht, daß der
Flaschenhals stark genug sei, all die Widerwärtigkeiten der wirtschaftlichen, politischen
und seelischen Abgeschlossenheit zu ertragen.
Sofort setzte wieder der energische Widerstand des Flaschenhalses ein - und auch
diese Gefahr war gebannt.
Freistaat Flaschenhals
Loreley-Online, Stand: 25.09.2001, Dipl. Ing. (FH) Rudolf Reckenthäler