"Da die Liebe durch den Magen geht ..."
Die größten Schwierigkeiten bereitete die Versorgung des Flaschenhalses mit
Lebensmitteln. Von den Gemeinden des Freistaates waren es vier, nämlich Lorch,
Lorchhausen, Kaub und Sauerthal, die kaum eine nennenswerte Landwirtschaft hatten. Aber
auch in den anderen Gemeinden ging es knapp her. Darum mußte schleunigst die
Lebensmittelversorgung organisiert werden, zumal die Gegner des Freistaates immer wieder
behaupteten, daß wir durch die gegebenen Verhältnisse von unserer Verpflegungsbasis
abgeschnitten seien und darum Hungers sterben müßten, wenn wir nicht zum besetzten
Gebiet zurückkehren würden. Das erkannten wir auch, und da bekanntlich die Liebe durch
den Magen geht, versuchten wir, die Lebensmittelversorgung des Flaschenhalses so zu
lösen, daß die Bevölkerung neben allen anderen Entbehrungen nicht auch noch zu hungern
brauchte. Der Beauftragte des Landrats Büchting für die Lebensmittelversorgung war der
Großkaufmann Gotthard in Limburg, der seine Aufgabe glänzend gelöst hat und der sich
deshalb neben Büchting dankbarer Anerkennung des Flaschenhalses erfreuen darf. Undankbar
wäre es, wenn ich hier nicht des Vereins für chemische Industrie in Frankfurt a. M. und
des stets unverdrossenen und hilfsbereiten Verwalters Ewald Schulte in Lorch ehrenvoll
gedächte. Zu jeder Stunde stand der große Fuhrpark der Firma uns zur Verfügung: war
Gotthard unser "Ernährungsminister", so war Schulte unser
"Eisenbahnminister".
Freistaat Flaschenhals
Loreley-Online, Stand: 25.09.2001,
Dipl. Ing. (FH) Rudolf Reckenthäler