Wie im Mittelalter.
Die Fuhrleute des Flaschenhalses fanden nun reichlich Beschäftigung im Dienst der
Lebensmittelversorgung, denn man bedenke, die Lebensmittel mußten ja in Limburg (später
in Zollhaus) mit Pferdefuhrwerken abgeholt und nach dem Rhein geschafft werden. Das war
bei den trostlosen Wegeverhältnissen natürlich außerordentlich schwierig, denn
wiederholt mußte an schlechten Stellen Vorspann geleistet werden. Kein Fuhrwerk konnte
deshalb mehr wie 15 - 30 Zentner aufladen. In dieser Zeit, in der die Mark immerhin noch
einige Kaufkraft hatte, zahlten wir für den Zentner an Fracht von Limburg bis Lorch 20
Mark. Man bedenke, ein Zentner Kartoffeln z. B. war vorbelastet mit Fracht in Höhe von 20
Mark.
Aber die Geschichte klappte, und in kurzer Zeit war der Flaschenhals mit
Lebensmitteln viel besser versorgt als die benachbarten besetzten Gebiete. Die Versorgung
mit Schlachtvieh sollte ursprünglich auch von Limburg aus erfolgen. Ein Versuch genügte
aber, um dazutun, daß es ganz unmöglich war, das Vieh auf unserer
"Kunststraße" an den Rhein zu schaffen. Wir wurden daher angewiesen, uns zu
helfen, wie es nach Lage der Dinge überhaupt möglich war. Das geschah denn auch, wobei
allerdings manch Pfündchen Fleisch über die "Grenze" wanderte.
Freistaat Flaschenhals
Loreley-Online, Stand: 25.09.2001, Dipl. Ing. (FH) Rudolf Reckenthäler