Post und Telegrahie werden eingerichtet.
Nachdem wir also die Trasse für den Verbindungsweg nach Limburg gefunden hatten,
richteten wir zunächst Post und Telegrafie in unserem Freistaat ein, denn auch die
Telegrafenlinien waren ein Opfer des feindlichen Zirkels geworden. Die
Telegrafenverwaltung hatte prompt gearbeitet. Längs der Trasse wurden Bäume gefällt,
die Isolatoren eingeschlagen, der Draht gespannt, und schon nach wenigen Tagen konnten wir
über Limburg mit dem unbesetzten Gebiet in telegrafische und telefonische Verbindung
treten. Dann verbesserten wir unser Straßennetz durch Knüppeldämme und ähnliche
bauliche "Kunstwerke" und richteten nun eine Fahrpost Lorch-Limburg ein. Ein
vierräderiger Bauernkarren beförderte die Postsachen von Lorch zunächst kurze Zeit nach
Limburg, und zwar zweimal in der Woche. Später wurden die Postsachen in Laufenselden von
der Reichspost übernommen und später, als wir in der Organisation unseres Postwesens
noch weiter fortgeschritten waren, in Strüth. Der Personenverkehr mit unserer Bahnstation
Limburg, das von Lorch 60 Kilometer entfernt lag, konnte nur per pedes apostolorum
aufrecht erhalten werden, sofern man nicht das Glück hatte, von dem Postkarren in Gnaden
aufgenommen zu werden. Aber auch die Reise mit dem Postkarren war nicht komfortabel, denn
erstens war das Ding nicht gefedert, zweitens mußte man sich für Sitzgelegenheit selbst
sorgen und drittens mußte man an den steilen und schlechten Wegestellen absteigen und
hinter dem Postkarren einhertrotten. Blieb er aber, was nicht selten vorkam, im Schlamm
stecken, so mußte halt angepackt und dem Karren aus dem Dreck herausgeholfen werden. Man
brauchte unter günstigen Umständen einen Tag, um von Rhein zur Eisenbahnstation zu
kommen.
Freistaat Flaschenhals
Loreley-Online, Stand: 28.10.2002, Dipl. Ing. (FH) Rudolf Reckenthäler