Stubenarrest für ganz Lorch
Und nun die Separatisten.
Trotzdem sie auch in Lorch mit der Hilfe französischer Bajonette arbeiten
konnten, haben sie hier wenig Glück gehabt. Ein Versuch, aktiv zu werden, wurde mit
denkbar schlagkräftigen Argumenten zurückgewiesen und zehn kräftige Jungmänner
(Heinrich Berg, Anton Blum, Jakob Schneider, Heinrich Schneider, Valentin Schneider, Josef
Wulf, Konr. Rabenecker, Jos. Becker, Karl Spriestersbach, Ludwig Herr- chen) von Lorch
mußten dieserhalb das besetzte Gebiet verlassen. Der Magistrat in Lorch wurde beauftragt,
die "Mörderische Schifferbande" zu arretieren, was aber nicht gelang, da diese
schon jenseits der Berge war. Da mußten nun die Lorcher Bürgermeister auf Befehl des
Kreisdelegierten der Bürgerschaft öffentlich bekanntgeben, daß sie zur Führung der
Kreisverwaltung nicht befähigt seien. Mit welch verständnisinnigem Schmunzeln diese
Erklärung abgegeben und aufgenommen wurde, mag der geschätzte Leser ermessen. Mit
Rücksicht auf die Unruhen in Lorch aber ordnete der Kreisdelegierte an, daß sämtliche
Verkehrsmittel einzuziehen seien und sämtliche Zirkulationsstempel für ungültig
erklärt wurden. Praktisch bedeutete das Stubenarrest für ganz Lorch.
Lorch darf sich jedenfalls rühmen, zu den Rheinstädtchen zu gehören, in denen
der grünweiße Fetzen der Separatisten auch nicht einen Augenblick geweht hat.
Freistaat Flaschenhals
Loreley-Online, Stand: 25.09.2001, Dipl. Ing. (FH) Rudolf Reckenthäler