Gesang I: Das Winzerfest 5. Lied
| Lautlos stehet rings die Menge, Mancher wagt zu athmen kaum; Hingerissen von den Tönen Fühlt sich jeder wie im Traum. Doch als nun das Lied geendet, Als der süße Klang verhallt, Da, gleich wilden Meereswogen, Tausendstimmig Beifall schallt. Und ein fremder Jüngling dränget Näher sich zur Lore hin, Schauet unverwandten Blickes Auf die holde Sängerin. Noch tönt in der Seele wieder Ihm der Laute zarter Klang, Und von seinem Ohre hallet Noch der wundersame Sang. Doch, wie wird bei ihrem Anblick Erst das Herz ihm groß und weit! Schnell er wendet sich zum Nächsten: "Sagt, wer ist die schöne Maid?" "Ach, ihr seid gewiß ein Fremder, Da die Lore Vois nicht kennt, Sie, die jeder junge Winzer Nun die Blume Bach'rachs nennt." "Habet Dank für eure Kunde!" freundlich drauf der Jüngling spricht, "Zwar bin Bach'rach ich kein Fremder, Doch die Blume kannt' ich nicht." Doch in Träumen ganz versunken Eilt er aus dem Volksgewühl Immer weiter, bis umfächelt Bergesluft ihn rein und kühl. |
Mary Koch -
Gesang I: Das Winzerfest